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Mit den Wienern und ihrer Küche verhält es sich wie mit einer wahren Liebesgeschichte - eine „Wiener Liebesg´schicht” eben.

 

Der Österreichische Schriftsteller Karl Kraus (1974-1936) sagte einst über die Wiener „Wien hat lauter Wahrzeichen und jeder Wiener fühlt sich als solches.”. So verhält es sich auch mit der Wiener Küche.

 

Sie ist weltweit die einzige Küche, die nach einer Stadt benannt wurde und ist eine vielseitig lukullische Liebelei aus allen Kronländern der Habsburger Monarchie. Wenn man so will, ist die Wiener Küche ein imperiales Sammelsurium von Speisen und deren besonderen Zubereitungsarten. Sie ist eine europäische Fusionsküche mit langer Tradition.

 

Die Gerichte und Rezepte sind über Generationen weitergegeben geworden und fanden in Wien ab Mitte des 19. Jahrhunderts durch den Zuzug von Arbeitskräften aus den Kronländern ihre Vollendung in der „Wiener Küche“ wie wir sie heute noch kennen, schätzen und so sehr lieben.

 

Aus Ungarn, Böhmen und Mähren, den Ländern des Balkans, aber auch aus Norditalien brachten Zuwanderer ihre traditionell regionalen Kochkünste in die imperiale Reichs- und Residenzhauptstadt Wien. Dieser Schmelztiegel der Kulturen beeinflusste die Wiener Küche maßgeblich. Frauen und Töchter von zugezogenen Arbeitern fanden Arbeit als Köchinnen, Küchen- oder Stubenmädel in den wohlhabenden Haushalten des Wiener Adels und Bürgertums.

 

So fanden Suppen, gekochtes Rindfleisch, Gulasch, Braten, gebackenes Allerlei, Süßspeisen und Desserts Einzug in die Küchen der Wiener Gesellschaft bis hin in die Hofküche der allerhöchsten kaiserlichen Familie.

 

Kaiser Franz Joseph (1830-1916) war ein großer Freund der Wiener Küche. Das gekochte Wiener Rindfleisch wurde Seiner Majestät täglich um 11.00 Uhr zum Gabelfrühstück in Form eines „Tafelspitz“ serviert und gelangte damit zu weltweiter Berühmtheit.

 

Eine weitere Besonderheit der Wiener Küche ist die strenge Unterscheidung zwischen Süß- und Nachspeisen. Süßspeisen werden als Hauptgericht, Nachspeisen - wie der Name schon sagt - als Dessert gereicht.

 

Das Ende des Ersten Weltkriegs brachte im November 1918 auch das Ende der Österreichisch-Ungarischen Monarchie mit sich. Die Wiener Küche überlebte glücklicherweise diese Zäsur bis heute.

 

Der Österreichische Autor Friedrich Torberg (1908-1979) manifestierte die Faszination, die Liebe und den Genuss der Wiener Küche in seinem Buch „Die Tante Jolesch“ mit einer Anekdote über besagte Tante Jolesch und ihre berühmten Krautfleckerln:

 

Kurz vor ihrem Ende – friedlich, umsorgt von der Familie – gab die Tante Jolesch mit ihrem letzten Ausspruch das Geheimnis ihrer berühmten Kochkunst preis, als sie gefragt wurde:

 

„Tante – ins Grab kannst du das Rezept ja doch nicht mitnehmen. Willst du es uns nicht hinterlassen? Willst du uns nicht endlich sagen, wieso deine Krautfleckerln immer so gut waren?“

Die Tante Jolesch richtete sich mit letzter Kraft ein wenig auf: „Weil ich nie genug gemacht hab…“ Sprach’s, lächelte und verschied.

 

Dieses Lebensgefühl ist es, das die Wiener Küche so wertvoll macht und es ist das eigentliche Geschenk Österreichs an die Welt, denn wenn nicht in Wien wo dann, geht „Liebe durch den Magen“.

Die Wiener Liebesg´schicht - eine Hommage an Wien und seine Küche